Die alte Kirche in Hyssna
Die alte Kirche in Hyssna ist eine der ältesten im Sprengel Göteborg und stammt zum Teil aus dem 12. Jahrhundert*. In einer herrlichen, alten Kulturlandschaft gelegen, wird sie an drei Seiten von dem Fluss Surtan umschlossen. Aus Stein erbaut, ist sie im wesentlichen so erhalten, wie sie 1907 an die Gemeinde übergeben wurde.
Für besondere Gottesdienste wie Hochzeiten, Taufen und Schulabschlussfeiern wird sie gerne benutzt und während des Sommers finden hier wöchentliche Abendandachten statt.
Eine Steinkirche aus dem 12. Jahrhundert*
Der Überlieferung nach soll die erste Kirche in Hyssna westlich vom Surtan gestanden haben. Das hölzerne Gebäude brannte nieder und wurde durch die heutige steinerne Kirche ersetzt, die zunächst 24 Ellen lang und 12 Ellen breit war. Über den Surtan führte an dieser Stelle eine schöne Furt und auch das alte Hyssna lag hier. In der Nähe liegt Torshall, ein alter Opferplatz und Torskälla, eine Quelle, der Wunderkräfte nachgesagt werden.
Das weiß verputzte Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche mit Eingang und Turm im Westen. Im Osten endet das Langhaus mit einem halbrunden Chor und einer Sakristei mit abgerundeten Ecken. Eine hoch gelegene Tür in der Seitenwand dient als Nordportal. Der älteste Teil der Kirche erstreckt sich von der Vorhalle bis zum Chor.
Das Langhaus ist in geschichtetem Feldsteinmauerwerk erbaut. Die hölzerne Gewölbedecke stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert*. Sie. wurde 1696 von Andreas Falk ausgemalt und zeigt Szenen aus dem Leben Jesu.
Die Kirche wird erweitert
Während des 18. Jahrhunderts* wurde eine Reihe von Veränderungen vorgenommen und die Kirche bekam ihr heutiges Gesicht. Dadurch kann sie heute der äußeren Erscheinung, wie auch dem Inventar nach, als Barockkirche bezeichnet werden.
Im Jahre 1702 wurde eine Vorhalle aus Stein an Stelle der früheren hölzernen gebaut. 1706 bekam die Kirche eine neue Kanzel und 1710 einen neuen Altar mit Aufsatz. Die beiden barocken Stücke sind von dem Bildhauermeister Gustav Kihlman aus Boras geschnitzt worden. Seit 1907 befinden sie sich in der neuen Kirche und können dort besichtigt werden.
Heute dient ein Triumpfkreuz als Altarschmuck. Es zeigt den gekrönten Christus, was auf die Entstehungszeit im 12. oder 13. Jahrhundert* hinweist. Hier wird Christus als Sieger gezeigt, im Gegensatz zu den Darstellungen des leidenden Heilandes mit Dornenkrone, die erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts gebräuchlich wurde. Die in der Kirche befindliche Kanzel wurde als Provisorium aus dem Holz einer ehemaligen Seitenempore gebaut.
Die Bestuhlung stammt aus dem Jahr 1717 und ist so aufgeteilt, dass es Plätze für Männer auf der einen, Frauen auf der anderen Seite, Reiche und Vornehme ganz vorn und arme Kätner und Häusler ganz hinten gab. In der ersten Reihe auf der Männerseite, „ämbetsmannastolen" genannt, saßen die Handwerksmeister der Gemeinde. Der „Herrenstuhl" stand im Chor, nahe beim Eingang. Gleich daneben war der Platz des Küsters.
Die lange Bank auf der Frauenseite, „frustolen" genannt, war Braut- und Patengestühl. Die letzte lange Bank war die „Knechtebank", die vorletzte (unter der heutigen Empore) die Bank für die Frauen der Amtmänner.
1728 wurde das Langhaus mit einem Chor aus Ziegelstein im Osten abgerundet. Er bekam zwei Fenster in den Rundungen, eines auf jeder Seite. Der Bodenbelag besteht aus Eichendielen. Die ursprünglichen Kirchenfenster, zwei auf jeder Längsseite wurden im 18. Jahrhundert* vergrößert.
Im Zuge der Anbauten 1728 vervollständigte Sven Vemberg aus Göteborg die Deckenmalereien im Chor. Szenen aus dem Leben Jesu und andere biblische Themen, die das Gewölbe schmücken, umgeben als Fries einen Wolkenhimmel mit fliegenden Engeln.
Bei dieser Erweiterung kamen auch die Seitenemporen hinzu. Zunächst auf der südlichen, später auch auf der nördlichen Seite. Darstellungen der Jungfrau Maria und der Apostel schmücken die Brüstung. Auch sie wurden von Meister Andreas Falk gemalt. Diese Malereien wurden später versetzt und befinden sich heute an der 1773 erbauten Empore.
Die Seitenemporen waren für Mägde und Knechte bestimmt. Es ist überliefert, dass die Mägde ihre neuen Plätze nicht einnehmen wollten, sondern sich lieber weiterhin in die engen Bankreihen der unteren Kirche zwängten. Deshalb wurde ihnen eine Buße von 8 Öre angedroht.
Eine, für Kirchen sehr ungewöhnliche Musikanten-Empore wurde hinter dem Altar errichtet. Dort wurde während der Hochzeiten gefiedelt.
Auf einem Gedenkstein, der südöstlich der Kirche steht, wird der Umbau von 1728 dokumentiert. Die lateinische Inschrift lautet übersetzt:
„Der Ort der Anbetung Gottes in Hyssna wurde im Osten um 40 Ellen verlängert im Jahre 1728 nach Christi Geburt und wurde von dem jüngeren Magister H. Selius an Stelle des älteren eingeweiht".
Westlich der Kirche stand während des 17. Jahrhunderts* ein eichener Glockenturm. 1772 wurde er durch einen gemauerten Turm ersetzt. Er umfasst auch die heutige Vorhalle. Das Dach des Turmes ist bis heute mit Holzschindeln gedeckt.
1777 beschloss die Gemeinde, das hölzerne Dach des Langhauses durch ein Ziegeldach zu ersetzen. Das Satteldach des Langhauses und die gewalmten Satteldächer des Chores und der Sakristei sind bis heute mit einfach gewölbten Tonziegeln gedeckt.
Die Sakristei wurde 1789 direkt östlich an den Chor angebaut, der Keller darunter entstand erst 1794.
Eine neue Kirche wird gebaut
Ende des 19. Jahrhunderts* wurde von der Gemeindeversammlung beschlossen, dass die Kirche in Anbetracht des alljährlichen Bevölkerungszuwachses zu klein werde. Nach langen Beratungen wurde 1895 der Bau einer neuen Kirche beschlossen und am 17. Oktober 1907 war die neue Kirche fertig und wurde von Bischof E. Rohde eingeweiht.
Was sollte nun aus der alten Kirche werden? Nach 1907 begann sie zu verfallen. Das Dach wurde schadhaft und Dohlen bauten ihre Nester in Turm und Kirche.
Im Kirchenrat fiel der Vorschlag, das Dach abzureißen und die Mauern als Ruine stehen zu lassen. Die Akademie für Literatur, Geschichte und Antiquitäten lehnte ein solches Ansinnen ab. Trotzdem versuchte die Gemeinde erneut einen Abriss durchzusetzen- dieses Mal dachte man daran, das Bauholz zur Errichtung einer neuen Schule zu verwenden. Man wies auch darauf hin, in der Kirche sei nichts wertvolles mehr vorhanden, seit das Taufbecken in ein Stockholmer Museum gebracht worden war.
In den Jahren 1922/ 23 kam endlich eine Restauration zustande. Die Kosten beliefen sich auf eine Summe von 6902.- Kronen, die durch Spenden aufgebracht wurde. Seit 1923 wurde eine größere Außenrestauration vorgenommen (1975) und die Kirche wird regelmäßig in Stand gehalten.
Das Inventar
Triumpfkreuz
Das Kruzifix wurde angebracht, als der alte Altaraufsatz in die neue Kirche umzog und stammt vermutlich genau wie die sitzende Madonna aus dem 12. oder 13. Jahrhundert*. Es zeigt eine Übergangsform zwischen zwei Christusdarstellungen: König am Kreuz und leidender Christus am Kreuz. Der Heiland hat überkreuzte Beine, eine Krone auf dem Haupt und ein Hüfttuch. Im Februar 1936 wurde das Kruzifix konserviert, ein neues Kreuz aus Eiche wurde hinzugefügt und der linke Arm, der seit langem fehlte, ersetzt.
Madonnenfigur nördlich des Altars
Die Skulptur hat ihren Platz im Chor an der Ostwand, nördlich des Altars. Der Sockel, auf dem sie ruht, ist nicht der Ursprüngliche. Von einigen wird sie für eine typische Figur des 13. Jahrhunderts gehalten, andere datieren sie auf das 12. Jahrhundert.
Die sitzende Maria ist als gekrönte Himmelskönigin dargestellt. In der Hand, die auf dem rechten Knie ruht, hält sie eine Blume mit vier Blütenblättern. Mit der anderen hält sie das Jesuskind, das auf ihrem linken Knie sitzt. Obwohl in kindlicher Größe, wird Jesus in erwachsenen Proportionen dargestellt. Er schaut geradeaus und trägt eine Krone auf dem Kopf. Die Madonna lächelt mild, ihr Blick geht in die gleiche Richtung wie der des Kindes und die Gewänder beider Figuren zeigen einen reichen Faltenwurf. Ursprünglich war die Skulptur farbig gefasst.
Madonnen- und Christusfigur an der Wand des Langhauses
An der Nordwand des Langhauses hängen zwei zueinander gehörende Figuren: Eine Muttergottes und ein Christusbild. In ihrem rechten Arm hält die stehende Madonna das Jesuskind, das als Säugling mit lockigem Haar gezeigt wird. In der linken Hand hält sie eine Traube, mit der das Kind spielt. Genau wie die ältere Madonna im Chor ist sie gekrönt, aber ihr Blick ist auf das Kind gerichtet.
Die stehende Christusfigur ist 130cm hoch. Sie trägt eine Dornenkrone und hält das Kreuz, dessen Querbalken fehlt. Beide Figuren sind gut erhalten und sind vermutlich auf das 15.oder 16. Jahrhundert zu datieren.
Barockfigur auf der Kanzel
Die dralle, wurmstichige Figur auf der Kanzel hatte früher ein Taufbecken zwischen den Knien, in dem sich eine kleine Menschenfigur befand, die ihre Hände zum Gebet erhoben hatte.
Taufbecken
Das Taufbecken aus dem 14. Jahrhundert* kam 1993 zurück in die Kirche. Zusammen mit dem Erzengel Michael und einem Prozessionskreuz war es um 1870 in das Staatliche Historische Museum gebracht worden.
Das Taufbecken wurde aus zwei Blöcken gefertigt. Der Fuß besteht aus silurischem(*) Gotland-Sandstein und die Schale aus västergötländischem Sandstein. Sie ist in zehn Felder eingeteilt, die abwechselnd mit Lilienornamenten und Menschenfiguren verziert sind.
Die Glocken
Die Gemeinde besitzt drei mittelalterliche Glocken. KARIN und SIRI, die in den verschiedenen Glockenstühlen gehangen haben und eine Hauptglocke, KERSTI, die ihren Platz neben dem Altar hat. KARIN und SIRI zogen 1907 in die neue Kirche um. 1947 sollte dort ein mechanisches Geläut installiert werden und da zeigte sich, dass SIRI dafür zu klein war, also wurde sie in die alte Kirch zurückgebracht.
Einer Sage nach sollen die Glocken auf Holmen gegossen worden sein (dort liegt heute die neue Schule von Hyssna), weil es einfacher war, Erz nach Hyssna zu schaffen, als fertige Glocken.
Die Orgel
Bei einer Gemeindeversammlung 1871 wurde beschlossen, eine Orgel für die Kirche anzuschaffen. Nachdem eine Sammlung 595,98 Kronen eingebracht hatte, wurde die Orgel gekauft. Hergestellt wurde sie von dem Orgelbauer und Organisten Hans Josefsson in Hajom. Wenn die Orgel erklingen soll, muss auch heute noch ein Balgtreter Dienst tun.
Das Votivschiff
Das schön geschnitzte Votivschiff, das im Chor hängt, soll zufolge alter Berichte das Geschenk eines Seemannes aus Angermot gewesen sein.
Kirchstößel
Mit dieser langen Stange wurde vor der Predigt auf den Boden geklopft, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen und gelegentlich wurde sie auch gebraucht, um Schläfer zu wecken.
Schamhocker
Der alte Schamhocker, der jetzt im Chor steht, hatte seinen Platz in der Leichenhalle und wurde in die Kirche geholt, wenn jemand zu Kirchenstrafe verurteilt wurde. Es wird berichtet, dass der letzte, der darauf sitzen musste, seinen Vater im Rausch geschlagen hatte.
Wetterhahn
Der kupferne Wetterhahn wurde 1738 gekauft- ein Symbol der Wachsamkeit. Bei einem Sturm 1902 wurde er heruntergeweht und, 1923, nach einem Besuch bei der „Göteborgsutställningen" wieder aufgesetzt und 1975 restauriert.
Oblateneisen
Ein eher ungewöhnliches Inventar, das noch erhalten ist, ist das Oblateneisen. Die Ehefrau des Kirchenältesten hatte die Aufgabe, damit die Oblaten für das Abendmahl zu backen.
Räucherfass
Ein altes Räuchergefäß aus dem Mittelalter ist auch erhalten und hat nun im Chor seinen Platz gefunden.
(*) Gesteinsformation aus dem Paläozoikum
*Wenn im schwedischen der Ausdruck 1400-talet, oder 1800-talet benutzt wird, heißt das übersetzt: die „14-hunderter", bzw. die „18-hunderter" Jahre, also zu deutsch: das 15., bzw. das 19. Jahrhundert.